Sein

 

Sein – Moderne III

Das Existentialurteil ist ein »Ergebnis vergangener Erfahrungen«. Das Existentialgefühl ist »die besondere Relationsfärbung, die jeder auf den Gegenstand bezüglichen Vorstellung vermöge der vielfältigen Erwartungszusammenhänge zukommt, in welche wir dieselbe auf Grund unserer Erfahrungen einordnen müssen« (l. c. S. 276)
 

 
»indem wir einer Vorstellung das Sein zusprechen, drucken wir damit das Vorhandensein gewisser Beziehungen derselben zu unserem Empfinden und Handeln aus. Die Realität ist etwas, was zu den Vorstellungen psychologisch hinzukommt« (Einl. in d. Mor. I, 5). Das Sein ist eine Art »Localzeichen« der Vorstellung (l. c. E.. 6).

 
—Eisler, Rudolf. Wörterbuch der philosophischen Begriffe. Kapitel: S: Sein – Moderne III. (1904)

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Anhelo (Después de la lluvia)

 
Mientras estaba quemando la tarde desde la amplia veranda, observé el tendedero, la ropa todavía está húmeda, pesada. En el piso, muevo lentamente mi pie en un charco haciendo círculos interminables.
 
 
—Acosta, N. Joaquín

Charakterzüge des Mäßigen

(1119a) Der Unmäßige begehrt also alles Lustbringende oder das am meisten Lustbringende und wird von der Begierde dermaßen getrieben, dass ihm die Lüste lieber sind als alles andere. Deshalb empfindet er nicht weniger Schmerz, wenn er sie begehrt, als wenn er sie entbehren muß. Denn die Begierde ist mit Schmerz verknüpft, obschon es ungereimt erscheinen könnte, dass man der Lust wegen Unlust empfinden soll.

Solche, die es in betreff der Lust ermangeln lassen und sich weniger als recht ist daran freuen, kommen wohl selten vor. Eine derartige Empfindungslosigkeit ist nicht menschlich. Sogar die anderen Sinnenwesen machen einen Unterschied bezüglich der Nahrungsmittel und nehmen die einen gern zu sich, die anderen nicht. Wenn aber für einen nichts lustbringend ist und kein Unterschied zwischen dem einen und dem anderen sinnlichen Eindruck für ihn besteht, so ist er wohl weit davon entfernt, ein Mensch zu sein. Ein solcher hat auch keinen Namen erhalten, weil er nicht leicht vorkommt.

Der Mäßige hält in diesen Dingen die Mitte ein. An den Ausschweifungen, die den Unmäßigen zuhöchst erfreuen, erfreut er sich nicht, eher ekeln sie ihn; sodann erfreut er sich an unerlaubten Dingen überhaupt nicht und an erlaubten nicht übermäßig. Ihre Abwesenheit schmerzt ihn und nach ihrem Genuß verlangt ihn nur mäßig, nicht mehr als recht ist, noch zur unrechten Zeit, noch sonst in ungehöriger Weise. Jenes Lustbringende, das zur Gesundheit oder zum Wohlbefinden gehört, begehrt er mit Maß und wie es recht ist, ebenso was sonst noch angenehm ist, soweit es nicht diesem hinderlich oder ungeziemend ist oder seine Vermögensverhältnisse übersteigt. Wer diese Rücksichten hintansetzt, liebt solche Genüsse mehr als schicklich, der Mäßige aber ist nicht so, sondern wie die rechte Vernunft es vorschreibt.
 
 
—Aristoteles: Nikomachische Ethik. (322 vor Chr.) Übersetzung: Eugen Rolfes, 1921. Vierzehntes Kapitel.

Essais II

Ein Mädchen von sehr zweideutiger Tugend stürtzt sich zu einem Fenster hinaus, um nicht von einem Soldaten genotzüchtigt zu werden
 
Während der Unordnungen unseres armen Staats, hat sich, wie man mir erzählt, ein Mädchen nahe bei dem Orte, wo ich war, aus dem Fenster herab gestürzt, um der Gewalt eines Soldaten, der bei ihr einquartiert war, zu entgehen. Sie hatte sich nicht zu Tode gefallen, wollte sich aber, um ihre Unternehmung zu verdoppeln, ein Messer in die Kehle stossen, wurde aber daran verhindert. Unterdessen bekannte sie doch selber, nachdem sie sich dadurch sehr beschädiget hatte, dass der Soldat mit nichts als mit Anhalten, Bitten und Geschenken in sie gesetzet hätte, allein sie hätte besorgt, er möchte endlich mit Gewalt kommen. Ihre Worte, ihre Gebärden, und das zum Zeugnisse ihrer Tugend vergossene Blut machten sie also zu einer andern Lucretia. Gleichwohl weiß ich gewiß, dass sie so wohl vorher als hernach nicht so gar ehrenfest gewesen ist. Es verhält sich hier, wie man in dem Sprichworte sagt: Du magst noch so schön und ehrbar sein, du darfst nicht gleich schliessen, wenn der Anschlag mißlingt, dass deine Liebste eine unverletzliche Keuschheit besitzt. Vielleicht kann einmal ein Mauleseltreiber sein Glück bei ihr machen.
 
 
—de Montaigne, Michel: Essais II, Versuche, Zweites Buch (1580)

Der Fall (Exzerpt)

 
Dagegen verstand ich den Freund, der es sich in den Kopf gesetzt hatte, nicht mehr zu rauchen, und dem dies kraft seines Willens auch gelungen war. Eines Morgens schlug er die Zeitung auf, las, dass die erste Wasserstoffbombe zur Explosion gebracht worden war, erfuhr von ihrer großartigen Wirkung und begab sich stracks in den nächsten Tabakladen.
 
 
— Camus, Abert: Der Fall / La Chute (1956)