Kenner

 
(Schöne Künste) Diesen Namen verdient in jeden Zweig der schönen Künste, der, welcher die Werke der Kunst nach ihrem innerlichen Wert zu beurteilen und die verschiedenen Grade ihrer Vollkommenheit zu schätzen im Stand ist. Der Kenner steht zwischen dem Künstler und dem Liebhaber in der Mitte. Jener muss das Mechanische der Kunst verstehen und auch die Ausführung desselben in seiner Gewalt haben; dieser empfindet nur die Wirkung der Kunst, indem er ein Wohlgefallen an ihren Werken hat und nach dem Genuß derselben begierig ist. Alle drei urteilen über die Kunstwerke, aber auf sehr verschiedene Weise. Der Künstler, wenn er nicht zugleich ein Kenner ist und er ist es nicht allemal, beurteilt das Mechanische, das, was eigentlich der Kunst allein zugehört; er entscheidet, wie gut oder schlecht, wie glücklich oder unglücklich der Künstler dargestellt hat, was er hat darstellen wollen und in wie fern er die Regeln der Kunst beobachtet hat.

 
 
— Sulzer, Johann Georg: Allgemeine Theorie der Schönen Künste, (1771)

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Stücke auf Kunst

 
Die Begründung der schönen Künste und die Einsetzung ihrer verschiedenen Typen geht auf eine Zeit zurück, die sich eingreifend von der unsrigen unterschied, und auf Menschen, deren Macht über die Dinge und die Verhältnisse verschwindend im Vergleich zu der unsrigen war. Der erstaunliche Zuwachs aber, den unsere Mittel in ihrer Anpassungsfähigkeit und ihrer Präzision erfahren haben, stellt uns in naher Zukunft die eingreifendsten Veränderungen in der antiken Industrie des Schönen in Aussicht. In allen Künsten gibt es einen physischen Teil, der nicht länger so betrachtet und so behandelt werden kann wie vordem; er kann sich nicht länger den Einwirkungen der modernen Wissenschaft und der modernen Praxis entziehen. Weder die Materie, noch der Raum, noch die Zeit sind seit zwanzig Jahren, was sie seit jeher gewesen sind. Man muß sich darauf gefaßt machen, daß so große Neuerungen die gesamte Technik der Künste verändern, dadurch die Invention selbst beeinflussen und schießlich vielleicht dazu gelangen werden, den Begriff der Kunst selbst auf die zauberhafteste Art zu verändern.

 
 

—Válery, Paul: Pièces sur l’art. Paris [o. J.], p. 103/104 (» La conquête de l’ubiquité «).

¿Cómo puedo verme a mí mismo …?

 
¿Cómo puedo verme a mí mismo, eternamente, como cualquier cosa menos una persona ridícula? Un alma solitaria, errante. Siempre seré el artista inquieto y frustrado; la persona siempre en busca del absoluto, siempre alcanzando lo inalcanzable. A través de la pobreza de mi arte, he tomado conciencia de mi propia eternidad. Y aun después de dejar de lado la duda, sigo siendo consciente de que nadie dará testimonio de los sufrimientos que tan gentilmente he compartido con el mundo.

 
 
— Acosta, N. Joaquín

Die menschliche Seele ist unbeständig und veränderlich

Nicht allein der Wind der Zufälle bewegt mich, nach dem er geht; sondern, was noch mehr ist, ich bewege und beunruhige mich selbst durch meine wankelbare Stellung. Wer genau Achtung gibt, wird sich schwerlich zwei mal in einerlei Zustande antreffen. Ich gebe meiner Seele bald dieses bald wieder ein anderes Ansehen, nach dem ich sie auf eine oder die andere Seite lege. Dass ich verschiedentlich von mir rede, kommt daher, dass ich mich verschiedentlich betrachte. Ich finde in mir alle einander entgegen gesetzte Eigenschaften, nach einer gewissen Reihe, und auf gewisse Weise. Ich bin schamhaft, unverschämt, keusch, wollüstig, geschwätzig, verschwiegen, arbeitsam, weichlich, sinnreich, dumm, verdrießlich, aufgeräumt, verlogen, wahrhaftig, gelehrt, unwissend, freigebig, geizig und verschwenderisch. Alles dieses sehe ich gewisser maßen bei mir, nachdem ich mich betrachte. Jeder, der sich aufmerksam ausforscht, findet an sich, und an seiner Urteilskraft selbst diese Unbeständigkeit und Verschiedenheit. Ich kann nichts von mir vollkommen, schlechterdings und gewiß, ohne Verwirrung und ohne Vermischung und mit einem Worte sagen. Distinguo ist das allgemeine Glied meiner Logik.

 
 
—de Montaigne, Michel: Essais II; Versuche; Zweites Buch (1580)

Die Eroberung der Allgegenwart

Die Begründung der schönen Künste und die Einsetzung ihrer verschiedenen Typen geht auf eine Zeit zurück, die sich eingreifend von der unsrigen unterschied, und auf Menschen, deren Macht über die Dinge und die Verhältnisse verschwindend im Vergleich zu der unsrigen war. Der erstaunliche Zuwachs aber, den unsere Mittel in ihrer Anpassungsfähigkeit und ihrer Präzision erfahren haben, stellt uns in naher Zukunft die eingreifendsten Veränderungen in der antiken Industrie des Schönen in Aussicht. In allen Künsten gibt es einen physischen Teil, der nicht länger so betrachtet und so behandelt werden kann wie vordem; er kann sich nicht länger den Einwirkungen der modernen Wissenschaft und der modernen Praxis entziehen. Weder die Materie, noch der Raum, noch die Zeit sind seit zwanzig Jahren, was sie seit jeher gewesen sind. Man muß sich darauf gefaßt machen, daß so große Neuerungen die gesamte Technik der Künste verändern, dadurch die Invention selbst beeinflussen und schießlich vielleicht dazu gelangen werden, den Begriff der Kunst selbst auf die zauberhafteste Art zu verändern.

Válery, Paul: Pièces sur l’art. Paris [o. J.], p. 103/104 (»La conquête de l’ubiquité«).